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Jobverlust

Den Traumjob loslassen – gar nicht so einfach!

 
Erst Begeisterung, dann Kündigung und monatelanges Warten auf den Lohn.

 

 

 

 
Interview mit Greta A., 55 Jahre, Naturwissenschaftlerin, Wiedereinsteigerin als Laborleiterin, nach fast 10 Jahren Familienphase.
 

 
Greta A. steckt in einer schwierigen Situation fest. Sie hat vor Monaten ihren Arbeitsplatz verloren und hängt seitdem in der Luft: Einerseits der Schock der Entlassung, andererseits die Hoffnung, dass es doch irgendwie mit der alten Firma weitergehen könnte. Die Trauer um den jäh verlorenen Traumjob verhindert eine effektive Suche nach Alternativen.
 

 
Ob sie es schafft die lähmende Starre aufzulösen und die alte Firma mental endlich hinter sich zu lassen? Gelingt es ihr, die berufliche Trennung emotional zu verarbeiten, wieder handlungsfähig zu werden und beruflich neue Wege zu gehen?
 

 

 

Greta, wenn du an deinen letzten Arbeitgeber denkst, dann?

 

 

 

„….denke ich vor allem an jede Menge Ärger, viele nicht eingehaltene Versprechen und große Enttäuschungen.
Der Jobverlust im letzten Jahr hat mich sehr aufgewühlt und die Sache ist immer noch nicht ausgestanden. Immer noch treibt mich die Frage um, wie es soweit kommen konnte, wo das Ganze doch so voll Enthusiasmus und großen Hoffnungen angefangen hat. Ich denke andauernd darüber nach, was schief gegangen ist und komme nicht vorwärts. „

 

 

 

Was ist passiert? Erzähl mal, wie fing alles an?

 

 

 

 
„Ich arbeitete für ein Start-up, dass eine Maschine entwickelte, die mit einer neuartigen Methode Krankenhausabfälle desinfizieren sollte. Bei einem Start-up ist immer die Gefahr des Scheiterns gegeben. Das war mir schon klar, aber ich wollte unbedingt wieder in meinem Beruf arbeiten und hier bot sich eine hervorragende Gelegenheit.

 

 
Am Anfang war ich auch ganz begeistert von meiner neuen Arbeitsstelle. Ich habe mich wahnsinnig gefreut, bei dieser Firma zu arbeiten. Ich hatte nämlich die Hoffnung schon aufgegeben, wieder in meinem Beruf arbeiten zu können. Schon wie ich die Stelle bekam, war ungewöhnlich für mich. Da flatterte plötzlich per Xing eine Anfrage herein. Schließlich wurde ich zum Vorstellungsgespräch eingeladen und bekam ein Jobangebot, das sich super anhörte: Eine Arbeitsstelle in meinem Beruf, und dazu noch im Nachbarort, quasi gleich um die Ecke! Arbeitszeit frei wählbar, Reisen, gutes Geld. Also habe ich zugesagt und den ersten unbefristeten Vertrag meines Lebens unterschrieben. Ein Freund hat das sogar als „Sechser im Lotto“ bezeichnet.

 

 
Am Anfang herrschte Aufbruchsstimmung und Optimismus. Alle waren eifrig dabei. Meine Aufgabe war es, ein Labor von Grund auf neu aufzubauen, ein alter Traum von mir, der nun plötzlich in Erfüllung gegangen war. Ich war glücklich, wieder in meinem Beruf zu arbeiten, wieder eigenes Geld zu verdienen, alle paar Wochen ins Ausland zu reisen und viel Neues kennenzulernen. Das Verhältnis zu den Geschäftsführern war locker und unkompliziert. Wir haben viel gelacht. Es war schön, Kollegen zu haben und sich mit ihnen auszutauschen. Ich habe das sehr genossen.

 

 
So ging es einige Monate, bis die Schwierigkeiten anfingen. Die Maschine wurde sehr viel später fertig als geplant und funktionierte nicht so richtig. Außerdem gab es Probleme mit den Zulieferern. Beide Geschäftsführer waren aber immer voll überzeugt von ihrer Idee und von ihrem Erfolg. Auch die anderen Mitarbeiter haben das so gesehen. Nur ich wurde immer skeptischer.“

 

 

 

Betriebsbedingte Kündigung – Warum?

 

 

 

 

 
„Letztendlich hat sich die Entwicklung der Maschine immer mehr verzögert, so dass den Geschäftsführern schließlich das Geld ausgegangen ist. Wir merkten es daran, dass ein Gehalt plötzlich ein paar Tage später als üblich ausbezahlt wurde, das folgende kam erst mal gar nicht. Angekündigt wurde das nicht, sondern das Geld wurde einfach nicht überwiesen. Insgesamt wurden wir einige Monate lange nicht bezahlt, wobei wir von Woche zu Woche vertröstet wurden. Es gab immer wieder Versprechungen, die nicht eingehalten wurden. Das war sehr nervenaufreibend. Dann hieß es, dass ein Investor gefunden wäre, der bald einsteigen würde. Dieses Geschäft kam jedoch nicht zustande und daraufhin wurden wir alle aus betrieblichen Gründen entlassen. Insgesamt war ich dort ein Jahr lang angestellt.

 

 
Die Firmenleitung arbeitete weiter mit Hochdruck daran, einen Investor zu finden. Wir sollten alle wieder eingestellt werden, um mit voller Kraft weiterzuarbeiten. Meine Kollegen und ich fühlten uns nach wie vor mit der Firma verbunden. Da wir alle auch immer noch auf die fehlenden Gehälter warteten, die immer wieder versprochen wurden, hat sich das Ganze zu einer andauernden Hängepartie entwickelt, die über ein Jahr anhielt.“

 

 
Greta A. und ihre Kollegen standen in engem Kontakt und unterstützten sich. Sie tauschten Infos aus und diskutierten das weitere Vorgehen. Hilfe bekam sie in dieser Zeit von ihrer Familie, die jedoch auch zunehmend genervt reagierte. Freundinnen hörten ihr geduldig zu und ermutigten sie. Eine riet ihr, die Firma wegen ausbleibender Gehaltszahlungen zu verklagen und damit dann komplett abzuschließen. Andere rieten ihr davon ab. Sie selber konnte sich auch nicht dazu entschließen.

 

 
In der Beratungspraxis ist es sinnvoll, zunächst herauszuarbeiten, wo der Betroffene aktuell im Prozess steht. Mit Hilfe von Reflexionsfragen und Übungen gelang es, die Ursachen für Gretas lähmende Starre offenzulegen und diese gleichzeitig mit den gedanklichen, körperlichen und emotionalen Auswirkungen zu verknüpfen.

 

 
Gedanken, die Greta A. in dieser Zeit fortlaufend beschäftigten, waren z.B.: Warum ist das Ganze so schief gegangen? Warum sind wir gescheitert? Wer hat Schuld? Was ist meine Verantwortung? Hat die Firma eine Zukunft, habe ich eine Zukunft bei dieser Firma? Wie loyal bin ich der Firma gegenüber? Das Kopfkino nahm sie sehr gefangen und hemmte sie total. Auch körperlich ging es Greta nicht gut. Sie schlief monatelang schlecht, war gereizt und ihre Schulter-und Nackenpartie war ständig verspannt.

 

 
Emotional gesehen war Greta einfach nur enttäuscht, fassungslos und wütend. Von den Geschäftsführern wurde derweil weiterhin Optimismus verbreitet. Es wurde suggeriert, dass die Probleme nicht so gravierend und lösbar seien, die Gehaltszahlungen unmittelbar bevorstünden und viele Leute an dem Projekt interessiert wären. In der Realität traten aber alle Ankündigungen nicht ein. Diese Gemengelage erzeugte eine große Unsicherheit, die Greta nervlich sehr zusetzte.

 

 
Greta A. wird sich ihrer beruflichen Sackgasse mehr und mehr bewusst. Sie hat die lähmende Hängepartie satt und möchte aktiv ihre Zukunft gestalten. In dieser Situation ist es wichtig, dem Gesprächspartner mit allen Sinnen zuzuhören und durch gezielte Fragetechniken passende Impulse zu liefern. Gelingt dies, geraten binnen kurzer Zeit, viele Dinge in Bewegung, der Knoten platzt und eine unglaubliche Dynamik entsteht – und zwar nach vorne.

 

 
Schnell war klar, dass Greta A. noch am Alten festhielt.

 

 

 

Was hinderte sie daran loszulassen?

 

 

 

 

  • das anhaltende Warten auf Gehaltszahlungen
  • die Mitteilung der Geschäftsführer, dass die Arbeit weitergeht, sobald ein Investor gefunden wird
  • die Aussicht auf weitere Anstellung
  • mangelnde Alternativen
  • die quälende Schuldfrage
  • ….es war ihr Traumjob

 

 
Ein weiterer Lösungsansatz ist die Szenariotechnik. Sie unterstützt darin, verschiedene Optionen für die Zukunft durchzuspielen und durch Perspektivwechsel neue Sichtweisen zu erkennen.

 

 

Was motivierte sie, weiter an einer möglichen Weiterbeschäftigung bei der alten Firma festzuhalten?

 

 

 

Es war ein Superjob, zumindest kurzzeitig! Sie konnte wieder in ihrem Beruf arbeiten, die Geschäftsidee klang interessant, die Firma war gleich um die Ecke. Die Leute waren freundlich und die Arbeitszeiten flexibel. Sie war oft auf Reisen im Ausland, verdiente gut. Mit den beiden Geschäftsführern hat sie sich gut verstanden. Sie war nicht sicher, ob sie so einfach wieder einen Arbeitsplatz in ihrem Beruf finden würde. Sie fing an sich wieder zu bewerben, bekam jedoch nur Absagen oder es wurde gar nicht geantwortet. Ein adäquater Job wäre vermutlich nicht in der Nähe zu finden, eventuell auch mit einem Umzug und Wochenendpendelei verbunden. Der Wiedereinstieg in die alte Firma wäre der einfachste und naheliegendste Weg, wenn es denn funktionieren würde.

 

 

Was sprach dafür einen alternativen Weg einzuschlagen?

 

 

 

Die Befürchtung und vielleicht auch die Ahnung, dass es wieder nichts mit der alten Firma wird und sich das ganze Drama der letzten zwei Jahre wiederholt. Das hat sie sehr viel Zeit, Kraft und Nerven gekostet. Sie wollte das kein zweites Mal erleben! Das Vertrauensverhältnis zu den Geschäftsführern war sehr stark beschädigt. Mittlerweile zweifelte sie auch an dem Erfolg des Projekts. Schließlich gab es auch kein konkretes Angebot, sondern nur vage Versprechungen

 

 
Greta A. fragte sich, wie ihr beruflicher Weg also weitergehen soll? Die Kinder waren erwachsen und gingen ihre eigenen Wege. Sie war ausgefüllt mit Ehrenämtern, die zwar sinnstiftend waren, aber wenig Geld brachten. Sollte sie wieder voll in den Beruf einsteigen, oder ein wenig nebenher arbeiten, um etwas Geld zu verdienen?

 

 
Sie versuchte zunächst, eine sichere Arbeit in einem etablierten Unternehmen zu bekommen. Greta war allerdings nicht sicher, ob der aktuell gute Arbeitsmarkt für Biologen auch für sie (55 Jahre, Wiedereinsteigerin nach fast 10 Jahren Familienphase) galt.

 

 

Wichtig ist, sich die Szenarien nicht nur theoretisch vorzustellen, sondern auch parallel auszutesten, ins Tun zu kommen und handlungsfähig zu bleiben.

 

 

In Gretas Fall ist die Sache mit der alten Firma letztendlich in Fluss gekommen. Durch den Verkauf von Immobilien bekam die Firma kurzzeitig eine gewisse Liquidität zurück. Nun war auch eine Klage aussichtsreich, die Greta auch einreichte – ein paar Tage bevor das lange versprochene Geld sich tatsächlich auf dem Konto einfand. Sie hatte den Ankündigungen einfach keinen Glauben mehr geschenkt. Nach weiteren Gesprächen mit der Firmenleitung reifte in ihr mehr und mehr der Entschluss, Abstand zu nehmen und nach Alternativen zu suchen. Sie hat zwar bis heute keinen adäquaten Job in ihrer Branche gefunden, nahm jedoch einige Wochen später eine Nebentätigkeit auf, die mit ihren anderen Lebensbereichen vereinbar ist.

 

 

Greta, wenn es etwas Positives an der Geschichte gibt, was ist es?

 

 

 
„Ich bin auf jeden Fall um einige Erfahrungen reicher und habe viel dazu gelernt! Es war toll, wieder in meinem Beruf zu arbeiten und eigenes Geld zu verdienen. Ich habe mich wieder als Teil des Systems gefühlt und das ist nun auch vorteilhaft bei weiteren Bewerbungen. Zudem hat es mein Selbstbewusstsein gestärkt: ich habe es einmal geschafft wiedereinzusteigen. Ich kann es wieder schaffen – das ist ein sehr gutes Gefühl!“

 

 

 

 

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Autor:

Everhard Uphoff

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